Digitale Führung: Wie sie den Mensch in den Mittelpunkt stellt

Digitale Führung: Wie sie den Mensch in den Mittelpunkt stellt

Wenn wir über Digitalisierung im Führungskontext oder auch digitale Führung sprechen, dann nimmt die Digitalisierung zum einen die Rolle als Treiber und zum anderen als Problemlöser ein. Als Treiber verändert sie das Arbeitsumfeld, was zu neuen Herausforderungen für Führungskräfte führt. Teams haben zunehmend die Möglichkeit unabhängig von Ort und Zeit zusammenzuarbeiten. Die dadurch geschaffene Flexibilität wird von den Mitarbeiter*innen sehr positiv angenommen. Immer mehr Unternehmen bieten z.B. die Möglichkeit des Arbeitens im Home Office an.

Die Konsequenz dabei ist, dass Führung zunehmend auf Distanz stattfinden muss. Das verringert die Kontrollmöglichkeiten der Führungskraft und fordert dafür eine hohe Vertrauensbasis zwischen Führungskraft und Mitarbeiter*innen. Erste Studien zeigen, dass bei der virtuellen Zusammenarbeit die Bedeutung an hierarchischen Führungsstrukturen immer weiter abnehmen wird. Führungskräfte übernehmen mehr die Rolle des Koordinators auf Augenhöhe. Dabei gewinnt die persönliche Beziehung mit einer hohen Vertrauens- und Loyalitätsbasis an Bedeutung. Dies ist ein Gewinn für das Konzept der partizipativen Mitarbeiterführung, denn Mitarbeiter*innen können sich so im Rahmen der Zielsetzung der Organisationen mit ihren eigenen Stärken entfalten.

Digitalisierung als Problemlöser

Die hierfür notwendige Schaffung von Freiräumen, Flexibilität und Transparenz führt zu der Perspektive auf die Digitalisierung als Problemlöser. Damit die Koordination, Unterstützung und Kommunikation vor allem auch über Distanz gelingt, können und müssen digitale Lösungen eingesetzt werden. Sie unterstützen digitale Führung strukturell und reduzieren durch einen transparenten Informationsaustausch das Gefühl von Distanz. Dies bestätigen Studien durch Erkenntnisse, dass der Einsatz von digitalen Medien ein Moderator ist. Dieser stärkt die Beziehung zwischen einem inspirierenden Führungsstil und dem Aufbau von Vertrauen und Commitment.

Digitale Führung: Führungsaufgaben dank digitaler Tools neu gestalten

Digitale Anwendungen können im Führungskontext vor allem dann gut eingesetzt werden, wenn der strukturelle Ablauf analoger Arbeitsprozesse digital abgebildet werden kann und mithilfe einer digitalen Lösung notwendige Informationen für alle transparent kommuniziert werden können. Projektmanagementfunktionen, Kollaborationstools, Wissensmanagementfunktionen sind Umsetzungsbeispiele mit denen sich Führungsaufgaben wie die Aufgabenkoordination, die Kommunikation und der Wissenstransfer innerhalb der Teams erfolgreich unterstützen lassen. Werden Prozesse und Anliegen jedoch komplexer und/oder emotionaler, muss abgewogen werden, wie weit Absprachen über digitale Kommunikationskanäle noch gelingen können und ab wann das persönliche Gespräch (mindestens übers Telefon) einfach weiterhin Vorrang hat. Denn egal wie sehr die Virtualisierung im Rahmen der Zusammenarbeit von Teams zunehmen wird: Das persönliche Gespräch wird weiterhin sehr wichtig bleiben und entscheidend für einen erfolgreiche Vertrauensbasis sein.

Dass die Führung auf Distanz funktionieren kann, zeigt sich unter anderem an dem Beispiel des Start-Up Vast Forward, die auch auf der letzten Work Awesome sehr beeindruckt haben und dessen Gründer ihr Unternehmen seit über vier Jahren von einem Segelboot aus führen. Damit digitale Führung gelingt, nennt das Gründer-Paar ebenfalls die Kommunikation und Transparenz von Informationen als die mit wichtigsten Faktoren. Für eine Zusammenarbeit auf Distanz ist zum einen entscheidend, dass alle Mitarbeitenden wissen, wann für welches Thema welcher digitale Informationskanal geeignet ist. Zum anderen muss das persönliche Verhältnis zu den Mitarbeitenden stimmen, damit Anliegen und Sorgen offen kommuniziert werden.

Mit Selbstreflektion zum Digital Mindset

Chat Tool als Symbolbild für Digitale Führung via rawpixel

Bevor digitale Anwendungen im Führungskontext jedoch bewusst und erfolgreich zum Einsatz kommen können, ist die Selbstreflektion des Führungsverhaltens im Unternehmen entscheidend. So kann abgeleitet werden, welche Prozesse durch eine digitale Unterstützung verbessert werden können und welche weiterhin analog bleiben sollten. Es geht darum ein Bewusstsein für das digitale Mindset des Unternehmens zu schaffen. Wie gehen die Menschen im Unternehmen mit der zunehmenden Digitalisierung um? Was nehmen sie als Chance und was als Bedrohung wahr? Welche Formen digitaler Anwendungen sind beliebt und wie lassen sich diese erfolgreich implementieren?

Somit ist ein kooperatives Zusammenspiel zwischen dem Digital Mindset der Organisation und der Einsatzmöglichkeiten von digitalen Anwendungen entscheidend. Organisationen finden anhand des eigenen Mindsets passende digitale Lösungen, wie z.B. die Einführung eines Kollaborationstools wie Slack, Microsoft Teams, Skype oder andere.

Wir erwarten momentan, dass immer mehr Arbeitsprozesse durch die Digitalisierung verändert, verschlankt oder auch wegfallen werden. Ein großer Bestandteil von Führung ist jedoch die soziale Komponente. Und diese kann durch die Digitalisierung sogar immer mehr in den Fokus rücken. Digitale Lösungen unterstützen in Zukunft stark strukturierte Führungsaufgaben. Sie sorgen für Transparenz, damit eine kooperative Arbeitsorganisation mit hoher Vertrauensbasis auch über Distanz möglich ist. Führungskräfte können so mit ihrem breiten Spektrum an Aufgaben entlastet werden. Dadurch entsteht mehr Raum für soziales Miteinander und gegenseitige persönliche Unterstützung. Die Digitalisierung ist deshalb eine Chance für die zukünftige Entwicklung der Mitarbeiterführung. Sie kann einen Rahmen schaffen, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht.

Christina Mayer